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Heft 1/2026: Mitarbeitende

Die Ausgabe 1/2026 erscheint am 14. Januar 2026 und ist als Print und als E-Paper verfügbar.

  • Mehr Mut zu kreativen Lösungen – Takis Mehmet Ali, Gisela Graf-Fischer
  • Der Kunde ist König – Julia Feldewerth, Prof. Dr. Jörg Martens
  • Psychologisches Empowerment in der Führungsarbeit – Fried Wilsker, Prof. Dr. Carsten Schermuly
    Literatur zum Beitrag
  • Diakonie blüht auch ohne Taufschein – Lars Bagemihl
  • Commitment als neue Währung – Prof. Dr. Jörg Martens
    Literatur zum Beitrag
  • Das Potenzial ist riesig – Simon Bleischwitz, Stefan Homann
  • Der Mensch ist mehr als seine Kultur – Moses Mielke
  • „Jetzt werde ich gefragt“ – Gisela Graf-Fischer
  • Benefits und Wertschätzung – Lena Bastecky
  • Raum für Entlastung – Constanze Engel
  • Nächste Ausfahrt: Teilhabe – Hannah Kaltarar
  • Spagat zwischen Familie und Beruf – Hanna Bergmann
  • Der Aufwand ist alternativlos – Gisela Graf-Fischer
  • Time to say goodbye – Corinna Spaeth
  • Serie Heilpädagoginnen: Anne Sullivan – Mit der Seele sehen, mit dem Herzen verstehen – Ralf Küssner
  • Alle Jahre wieder ... – Prof. Dr. Frank Dieckbreder
  • Cartoon – Gerhard Mester
  • Gemeinsam für faire Chatbots – Ralf Küssner
  • „Wir wollen mehr!“ – Dr. Christian Geyer
  • WorkWithHeart – Sevinç Topal

Liebe Leserin,
liebe Leser,

Es ist erstaunlich, wie oft man in der Eingliederungshilfe von „Alltagsheldinnen" und „stillen Helden“ liest. Das klingt warm, fast rührend. Bis man merkt, dass der Applaus vor allem eins ersetzt: Geld, Zeit und politische Entscheidungen. Die Heldenerzählung hat Tradition. Held:innen springen ein, wenn Strukturen wanken. Sie retten, was gar nicht hätte in Not geraten dürfen. Man erkennt sie daran, dass sie später nach Hause gehen, weil Personalschlüssel mit dem Alltag kollidieren. Und daran, dass sie es angeblich gern tun.

Politisch betrachtet ist das Heldennarrativ ein Sparprogramm, das nichts kostet. Held:innen kompensieren. Held:innen halten durch. Held:innen beschweren sich ungern. Sie zeigen keine Schwäche. Sie ruhen nicht, sie zweifeln nicht. Bis sie es doch tun – und dann gleich mehrere Monate. Die Statistik nennt das Ausfalltage. Fachlich betrachtet ist es Erschöpfung.

Dabei ist ihr Auftrag so wichtig: Teilhabe ermöglichen. Das braucht Zeit für Beziehungen, für kleine Schritte, für selbstbestimmte Wege. Teilhabe ist keine heroische Rettungstat, sondern eine kontinuierliche, professionell begleitete Entwicklung. Sie entsteht weder aus spontaner Opferbereitschaft noch aus moralischem Überschwang, sondern aus Qualifikation, verlässlichen Teams und Rahmenbedingungen, die Stabilität erlauben. Wo Teilhabe zur Heldentat verklärt wird, ist sie als Regelleistung bereits in Gefahr.

Interessant wäre es, das Wort „Held" in den politischen Reden durch „Fachkraft mit guten Rahmenbedingungen" zu ersetzen. Wahrscheinlich würde das Haushaltsausschüsse nervös machen. Es wäre allemal ehrlicher, klüger und menschlicher, die professionelle Normalität anzuerkennen: Fachkräfte haben Grenzen. Teams müssen auch mal Nein sagen. Organisationen sollten deren Leistungen absichern, statt heroisch zu improvisieren. Denn ein gutes System erkennt man nicht daran, dass es Held:innen hervorbringt, sondern daran, dass es sie nicht braucht. Wir müssen aufhören, Menschen zu überhöhen, und anfangen, Bedingungen zu verbessern. Teilhabe gelingt nicht durch Pathos, sondern durch Präsenz. Dafür braucht es keine Held:in. Eine angemessene Finanzierung reicht völlig.

Ihr Christian Geyer
Redaktionsleiter